top of page

Review: Sonic Triple Trouble 16-Bit (PC)

1994 erschien für Segas Handheld, den Game Gear, Sonic Triple Trouble. Dies war der sicherlich aufwendigste 8bit-Teil der Jump'n'Run-Reihe mit Segas Maskottchen. Vor kurzem hat der Entwickler Noah Copeland ein 16-Bit Fan-Remake dieses Klassikers veröffentlicht, um uns zu zeigen: wie hätte Sonic Triple Trouble auf dem Mega Drive ausgesehen?

Sonic Triple Trouble ist eines der Spiele, dass ich in meiner Kindheit unzählige Male durchgespielt habe. Der Game Gear war meine erste eigene Konsole und da Jump'n'Run das Genre der Stunde war, stand auch Sonic hoch im Kurs. Zugegeben, als Kind (ich war damals ca. 7 Jahre alt) war es ohnehin schwer vorstellbar, dass Videospiele anders ablaufen, als mit einer hüpfenden Cartoonfigur seitwärts scrollende Abenteuer zu bestehen. So störte mich damals auch nicht, dass in den Handheld-Versionen Sonics Geschwindigkeit nie wirklich aufkam, die Sprites zu groß, der Bildschirmausschnitt zu klein und die Framerate meist im Keller war. Das Spiel bot trotz alledem abwechslungsreiche Welten, den Anreiz alle Bonus-Level zu bestehen, einen großen Cast Sonic-Charaktere (bevor wir bei "Sonic's shitty friends" angekommen waren), spektakuläre Boss-Gegner und sogar einen richtigen Ohrwurm-Soundtrack.


Bei der ersten Nachricht über das erscheinende 16bit-Remake dachte ich: OK, jemand hat wahrscheinlich das Originalspiel in höherer Auflösung aufbereitet und die Sprites mit den Mega Drive Versionen ausgetauscht. Weit gefehlt: Zwar kommen bekannte Mega Drive Assets zum Einsatz, aber nicht umsonst hat die Arbeit an dieser vollwertigen Neuinterpretation ganze 5 Jahre gedauert. Ich ziehe meinen Hut vor allen Beteiligten! Hier findet sich eines der beeindruckendsten Fan-Games, die ich spielen konnte. Alle Level wurde vollständig neu interpretiert, ergänzt, neue Level eingefügt, Bosse erweitert und vieles mehr. Nachdem ich zwei Mal den Abspann gesehen habe, nehme ich vorweg: die Arbeit hat sich ausgezahlt, der Download dieses kostenlosen Spiels ist sehr lohnenswert.


Auf der verlinkten Website erhaltet ihr die Vollversion zum Download: SONIC TRIPLE TROUBLE 16-BIT

Technisch hat man sich bei Sonic 3 bedient und Animationen und Sprites primär aus diesem Teil übernommen. Das passt auch, denn mit den Auftritten von Knuckles und kurzen Ausflügen auf Angel Island werden Anknüpfungspunkte zum dritten Teil geschaffen. Inhaltlich starten wir direkt im Anschluss an die Geschehnisse aus Sonic 2, nach dem Absturz des Death Egg und einem kurzen Showdown als Super Sonic gegen Robotnik. Der luchst uns einen Chaos Emerald ab und verzieht sich - außerdem tauchen Metal Sonic und ein Charakter namens Nack The Weasel (bzw. Fang The Sniper) auf, der in diesem Teil seine Premiere feiert. Die Namensverwirrung um letztere Figur rührt aus der Lokalisierung, außerhalb Japans war der Name offiziell Nack, allerdings wurde dies nicht konsistent in allen Spielen beibehalten. Nur um die Detailliebe in diesem Remake zu zeigen: im Optionsmenü wurde die Auswahl integriert, welchen Namen man bevorzugt (nicht, dass er oft genannt werden würde).

Story war noch nie die Stärke der Sonic-Spiele, dennoch wird das Intro liebevoll inszeniert, bevor es wie gewohnt weitergeht: wir rennen und springen durch sechs Welten zu je 2-3 Akten von links nach rechts. Zum Ende der Akte folgen Bosskämpfe gegen Robotniks Schergen, Knuckles oder Fang (ich randomisiere den Namen ab jetzt). Zusätzlich müssen wir die versteckten Eingänge zu Bonus-Leveln finden, um alle Chaos Emeralds zurückzuerlangen. Diese betreten wir wie in Sonic 3 durch versteckte Ringportale. Ohne die Chaos Emeralds gibt es keinen richtigen Abspann und es heißt: Try Again. Neu sind einige Zusatzlevel: so gibt es nach Level 3 die komplett neue Egg Zeppelin Zone, die an Wing Fortress aus Sonic 2 erinnert. Auch der finale Showdown wurde im Vergleich zur Game Gear Version ziemlich aufgemöbelt. Zu guter Letzt eine kleine Offenbarung für mein siebenjähriges Ich: zum ersten Mal darf Sonic Triple Trouble mit Knuckles und Nack gemeistert werden. Letzterer hat neben der Sprungattacke noch einen Colt als Waffe.

Die Welten wurden visuell und spielerisch super umgesetzt. Sprites und Hintergründe erweitern sich von Akt zu Akt und wir erhalten kontinuierlich neue Gegner und Gameplay-Features wie Laserfallen, Überschallrühren, ein Snowboard und sogar ein U-Boot. Damit wird Triple Trouble der erste Sonic-Teil, in dem der obligatorische Wasserlevel einer der spaßigsten ist. Viele der Features stammen aus der 8-Bit Vorlage. Aber bspw. das U-Boot konnte ursprünglich nur Tails nutzen und das als rein optionales Gadget. Im Remake wurde ein kompletter Akt rund um dieses Vehikel designt.

In der Tradition von Sonic 3 wurden alle Level achterbahnartig designt und lassen Sonic Triple Trouble zum ersten Mal so schwindelig schnell werden, wie es auf dem Game Gear technisch unmöglich war. Dabei fasern die Level nicht zu sehr aus und fühlen sich etwas kleiner als bspw. in Sonic Mania an. Das ist durchaus positiv anzumerken, denn die Suche nach den goldenen Bonus-Ringen gestaltet sich dadurch weniger frustrierend. Auch die Bossgegner wurden ziemlich aufgewertet, nicht nur graphisch, sondern auch was ihre Angriffsmuster und verwundbaren Punkte angeht. Die Kämpfe gegen Fang wurden aus den Bonuszonen in die Hauptlevel verlegt. Bonuslevel wurden aber ebenfalls neu gestaltet und bieten ein 3D-Rennen gegen Fang, in dem auch das Flugzeug von Tails zum Einsatz kommt. Auch dies ist eine sinnvolle Erweiterung der bereits auf dem Game Gear vorhandenen Grundidee.

Als geübter Sonic-Spieler kann man nach ca. 2 Stunden den Abspann sehen, was der Länge der Mega Drive Spiele entspricht und damit etwas umfangreicher als das Original ist.


Zum Vergleich die Screenshots des Game Gear 8bit-Originals:

Wer die richtigen Nostalgieknöpfe beim Retrogamer drücken will, kommt um einen Faktor nicht herum: den Sound. Der Game Gear hatte nicht den dankbarsten Soundchip, dennoch hatte Sonic Triple Trouble einen der für die Systemverhältnisse besten Soundtracks mit erinnerungswürdigen Meldodien. Das Theme aus Sunset Park Akt 3 ist neben dem Poloy Forest aus Tails Adventure die beste Musik auf dieser Konsole.


Wer möchte, darf hier natürlich reinhören (Links führen auf YouTube):

Sunset Park Akt 3 (Game Gear): LINK

Sunset Park Akt 3 (16-Bit Remake): LINK

Poloy Forest, Tails Adventure (ihr wollt es doch): LINK


Auch bei der Musik kommt die Liebe zum Detail rüber: anstatt in jedem der drei Levelakte die gleiche Melodie abzuspulen, kommt Variation ins Spiel. Jeder Folgeakt bringt einen Twist, bspw. einen anderen Groove, ein zusätzliches Instrument - auch die Stimmung ändert sich mal. Wenn wir im Meta Junglira Akt 2 von Fang in einen unterirdischen Tempel gestürzt werden, wird die exotisch-fröhliche Dschungel-Melodie zu einer mysteriös-düsteren Variante umarrangiert.

Nack The Weasel Fang The Sniper

Was mir außerdem gefallen hat: der Schwierigkeitsgrad wurde angenehm flach gehalten. Sonic richtet sich nie an Pro-Gamer, es wurden aber nervige Frustquellen eliminiert: zum ersten Mal ist es möglich, Bonuslevel per Extraleben noch einmal zu versuchen. Dies hat mir einige graue Haare erspart. Umso wichtiger wird es dadurch, zuvor genug Extraleben zu sammeln und sich vorzubereiten. Darf Sega meinetwegen in den offiziellen Teilen genau so übernehmen. Obendrauf kommen noch unendliche Continues, die einen zu Beginn des aktuellen Aktes neu starten lassen (also nicht zurück zu Akt 1).

Die angemerkte, übersichtliche Größe der Level lässt nur selten Orientierungslosigkeit aufkommen (was in manchen Sonic-Teilen deutlich chaotischer aussieht). Ebenfalls ein Pluspunkt. Allerdings hat das Game noch ein paar kleinere Macken, die hoffentlich mit den nächsten Patches behoben werden: Will man nach einem Treffer die verlorenen Ringe wieder einsammeln, stimmt Ring-Physik manchmal nicht ganz mit anderen Teilen überein. Oft verpasst man Ringe wegen ungenauer Kollisionsabfrage oder sie bouncen in völlig unerwartete Richtungen. Spielt man mit Sonic und Tails im Doppel, nimmt Tails einen manchmal ungewollt auf Flugtour mit. Das kann beim Mashen des Jump-Buttons besonders in den Bosskämpfen passieren und kostet einen meist die gesammelten Ringe. Diese Bugs lassen sich mit Sicherheit noch fixen und stellen keineswegs ein Argument gegen den gesamtheitlichen Spielspaß dar.

Sonic Bonus Zone

Mein Fazit ist keine Überraschung: Sonic Triple Trouble 16-Bit ist ein grandioser Spaß. Nicht nur für Nostalgiker, die das Original gespielt haben. Es reiht sich qualitativ in die klassischen 2D Sonic-Plattformer ein und ist Totalausfällen wie Sonic 4 meilenweit überlegen. Warum bricht sich Sega selbst stets jahrelang einen ab, um hochwertige Games in diesem Franchise herauszubringen? Beeindruckend, welche Arbeit in dieses non-kommerzielle Projekt geflossen ist. Danke, lieber Noah!



コメント


Beitrag: Blog2 Post
bottom of page