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Meine Top 10 Filme 2023

Auch wenn in meinem Eindruck 2023 etwas schwächer als das Vorjahr war, gab es durchaus einige Highlights mit großer Bandbreite von Romantik bis zum Kaiju-Hit.



Bevor wir loslegen, ein paar honorable Mentions, die es nicht in die Top 10 geschafft haben:

"The Killer" von David Fincher beginnt äußerst langwierig und nervenstrapazierend mit minutenlangen inneren Monologen und komplettem Stillstand. Was sich dann entfaltet, ist ein eigenwilliger Thriller in 6 Akten, der ruhigere Töne anschlägt und von seiner Kamera lebt, gleichzeitig aber eine der brachialsten Faustkampf-Sequenzen des Jahres enthält.

Ebenfalls erwähnen möchte ich "Dungeons & Dragons: Honor Among Thieves", der als locke-komödiantische Pen&Paper-Verfilmung eine Lanze für unkompliziertes Blockbusterkino gebrochen hat. Mit gut geschriebenen Gags und einem Cast, der sichtlich Bock auf das Projekt hatte, hat sich die Investition in eine Karte für mich ausgezahlt.

Wer es noch abgefahrener mag, dem sei außerdem der koreanische Genremix "Alienoid" ans Herz gelegt, der eine actiongeladene Achterbahnfahrt zwischen fernöstlichem Wuxia-Film und Science-Fiction auflegt.

Nun aber zu den zehn Filmen, die ich 2023 am meisten ins Herz geschlossen habe.


10. Past Lives


© Studiocanal

Nora emigriert als Kind nach Nordamerika und wird Jahre später von ihrem Kindheitsfreund Hae Sung online kontaktiert, der sich stets an sie erinnert hat und sich nun Chancen auf eine romantische Beziehung verspricht. Diese lebt aber längst in einer Beziehung und hat ihre ursprüngliche Vergangenheit weit hinter sich gelassen. Der Film ist irgendwo zwischen "Eternal Sunshine and the Spotless Mind" und "Lost in Translation" einzuordnen und wirft einen sehr nüchtern-erwachsenen Blick auf Themen wie Beziehung, kulturelle Identität und Romantik. Dies ist das Regiedebüt von Celine Song, die auch das Drehbuch geschrieben hat und es ist ein beeindruckendes Debüt. Auch die super eingefangenen Bilder sind gut gelungen, lange sah New York City nicht mehr so gut aus.


9. Guardians of the Galaxy Volume 3


© The Walt Disney Company

Beim MCU gab es vermehrt durchwachsene Darbietungen in den letzten Jahren. Lediglich auf einen ist Verlass: James Gunn. Dieser hat es vollbracht, für seine Guardians eine runde Trilogie zu drehen, die auch im Abschlussteil den Spagat aus Übertreibung, abgefahrenen Figuren und gefühlvollen Momenten meistert. Im Rampenlicht steht dieses Mal die Vergangenheit unseres pelzigen Freundes Rocket. Das Feature des Retro-Soundtracks nutzt sich zwar langsam ab, war aber wieder sorgsam ausgewählt. Ich wünsche mir, dass Disney diese Trilogie genau so stehen lässt und nicht einen x-beliebigen Auftragsregisseur einen lieblosen vierten Teil als Cash-Grab drehen lässt, aber das ist wohl genau so unrealistisch wie ein sprechender Waschbär im Weltraum.


8. Spider-Man - Across the Spider-Verse


© Sony Pictures

Ich saß in einem proppenvollen Kinosaal voller Menschen, die nur halb so alt waren wie ich. Noch nie war Reizüberflutung schöner. Der neue Sony Spider-Man übertrifft den Vorgänger in allen Belangen und weiß sein Tempo gekonnt einzusetzen. Es wird einem schwindelig, es wird chaotisch, es wird bunt, aber man verliert nie die Orientierung und fiebert mit. Denn die Macher*innen des Films waren smart genug, den ersten Akt des Films auf Charaktermomente und Worldbuilding zu setzen. Umso stärker wirkt dann die folgende Action, die komplett ohne Bremspedal auskommt. Nur der Cliffhanger hat mich dann doch kalt erwischt.


7. Beau is Afraid


© A24

Ich oute mich direkt: Ich fand "Hereditary" und "Midsommar" fantastisch und bin ein Fanboy von Ari Aster. "Beau is afraid" war für mich der heiß ersehnteste Film des Jahres. Und er gefällt mir zugegeben nicht so gut wie die beiden erstgenannten. Aber er ist auch etwas völlig anderes. Etwas, was dabei herauskommt, wenn man Herrn Aster einen Freifahrtschein ausstellt. Mal gucken, ob er den noch einmal bekommt, denn finanziell dürfte sich das nicht ausgezahlt haben. Ein spannendes Werk über (mal wieder) Traumabewältigung und mit (mal wieder) einer genialen One-Man-Show von Joaquin Phoenix.


6. Anatomy of a Fall


© Les Films Pelléas

Der diesjährige Sieger aus Cannes konnte auch mich überzeugen. Nicht zuletzt dank der Performance von Sandra Hüller, die nach "Toni Erdmann" wieder in einem starken Arthouse-Werk brilliert. "Anatomy of a Fall" führt einen oft in die Irre und erschafft ein spannendes Gerichtsdrama, das mich (bis auf eine Szene am Ende) komplett mitgerissen hat.

Darüber hinaus verfolgt mich bis heute der im Film wiederholt eingesetzte Instrumental-Remix von 50 Cents "P.I.M.P.".


5. Oppenheimer


© Universal Pictures

Nolan-Filme bringen für mein Empfinden immer eine gewisse Schwere mit sich. "Oppenheimer" mit seiner Machart als dreistündige Montage mit Zeitsprüngen ist aber geradezu erdrückend und lässt einen kaum durchatmen. Drei Stunden die Luft anhalten quasi. Danach ist man platt und verdaut das gesehene. Für mich ist der Film seitdem gewachsen und gewachsen.

Die Machart als Montage ist definitiv hervorzuheben, es wirkt teils so, als ob man einen endlosen Trailer sieht. Dieser hat es aber in sich. Nolan spielt wieder einmal mit der Dimension der Zeit beim Geschichtenerzählen, so wie er es auch schon in "Memento", "Interstellar" oder "Tenet" getan hat - nur eben doch wieder etwas anders. Dabei geht fast unter wie gut Cillian Murphy ist.


4. Godzilla Minus One


© Toho Company

"Ist das... Godzilla?!" Ja, das ist Godzilla! So wie man als Filmfan immer von Godzilla geträumt hat. Bereits den politsatirische "Shin Godzilla" aus dem Hause Toho fand ich sehr gelungen, aber mit "Godzilla Minus One" hatte ich infolgedessen nicht gerechnet. Praktisch ohne ironische Brechung bricht die Monsterechse dieses Mal eine Gewalt los, die man so aus dem japanische Kaijufilm noch nicht kannte. Mit tragischen Figuren in einem Nachkriegsdrama. Standen bei Godzilla jemals die Figuren so sehr im Vordergrund? Definitiv nicht. Und dieses Risiko hat sich ausgezahlt, denn dieses Monsterspektakel ist richtig frisch geworden und erinnert eher an "Der weiße Hai" als an das Hollywood-Pendant "Godzilla x Kong".


3. Barbie


© Warner Bros.

Ich möchte gar nicht auf das Geflenne meiner Geschlechtsgenossen rund um den Feminismus in diesem Film eingehen. Ich bin froh, dass ein Mainstreamfilm, der ein Multimillionendollar-Franchise vertritt, ein paar Leuten auf die Füße treten kann. Und ich bin froh, dass mal wieder eine Komödie das Publikum in die Kinos lockt. Denn Margot Robbie und Ryan Gosling sind unschlagbar in ihrer Komik und wenn Ken in der Menschenwelt das Patriarchat kennenlernt und von Pferden träumt, geht es erst richtig los.

"Barbie" ist für mich die Blaupause für moderne Mainstream-Blockbuster, die gut unterhalten und trotzdem nicht strunzdumm sind, sondern gesellschaftlichen Diskurs auf die Leinwand bringen.


2. The Banshees of Inisherin


© Searchlight Pictures

"He just... doesn't want to be friends with me any more." Und so nimmt das Drama seinen Lauf. In diesem Geniestreich über Selbstverwirklichung und die großen Fragen des Lebens können wir alle etwas lernen. Vor allem können wir aber mitfühlen, mitweinen und mitlachen, bis uns das Lachen im Halse stecken bleibt. So einfach wie die Prämisse "Ich will nicht mehr dein Freund sein" auch ist, so drastisch sind ihre Konsequenzen und so unterhaltsam, tragisch und schön ist dieser Film.


1. Babylon


© Paramount Pictures

Es war ein finanzieller Totalflop und wurde dann noch sträflich bei den Academy Awards übergangen. Dabei hat "Babylon" nicht nur einen der besten Film-Scores der letzten Jahre, zwei der beeindruckendsten Plansequenzen aller Zeiten, eine fantastische Kameraarbeit, erstklassiges Schauspiel - nein wirklich, es ist ein richtig guter Film, der Bock macht, der mit dem System Hollywood abrechnet und der die Magie der Filmkunst zelebriert. Damien Chazelle hat abgeliefert. Der Typ ist knappe 39 Jahre alt und hat ganz frech drei der besten Filme der letzten zehn Jahre gedreht. "Babylon" ist einer davon.



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